Panorama XL

Was ist Budo

Die Geschichte der Kampfkünste

Die Entstehung der Kampfkünste (chin.: Wushu; jap.: Bujutsu) läßt sich heute bis 3000 v. Chr. zurückverfolgen. Schon im antiken Babylon fand man Platten, die Blockstellungen und andere Techniken darstellten, welche für die ostasiatischen Kampfkünste üblich sind. Philosophie Die Kampfkünste unterlagen bei ihrer Verbreitung nach Osten und im Laufe der Zeit den folgenden Einflüssen: - dem Yoga, als ein System des Psychotrainnings zur körperlichen und geistigen Vervollkommnung - der Dao-Philosophie, welcher der Kampf zwischen Yin und Yang und die Prinzipien der Sanftheit und des Nicht-tuns zugrunde liegen - der Chinesisch-tibetanischen Medizin, mit ihren Kenntnissen über die von Ki (Qi oder Chi) durchfluteten Punkte und Meridiane - der Bionik, das ist die Nachahmung von Tierverhalten und -bewegungen - dem Zen-Buddhismus, mit seinen Psychotechniken der Konzentration und der Autosuggestion. Bis heute haben sich vor allem auch die Konfuzianisch-ethischen Normen in fast allen Kampfkünsten gehalten. Der Sinn des Kempo (jap. "Lehre der Faust") ist und war der Sieg über sich selbst, die Überwindung der eigenen Schwächen und Mängel. Das ursprüngliche Wesen des Kempo lag weder im Sport noch im Krieg.

Indien

Auch in Indien, wo diese Ausrichtung der Kampfkünste zum Geistigen hin mit dem Yoga begann, lassen sich in prähistorischer Zeit Hinweise auf diverse Kampfsysteme finden. Außer Darstellungen an Tempeln finden sich auch Erwähnungen in den Geschichtsepen Rigveda und Mahabharata. In Indien lassen sich zum ersten mal verschiedene Schulen der Kampfkünste nachweisen. In ihnen wurde der Aufbau des menschlichen Organismusses sowie die Lage verwundbarer Punkte am menschlichen Körper gelehrt. Als Grundlage des technischen Trainings galten die Atem- und Gymnastikübungen des Yoga. Von den vielen Schulen, haben nur wenige bis heute überlebt. Die Größte von diesen, ist das Kalari-payat, dessen Wurzeln sich bis ins 1. Jh. v. Chr. zurückverfolgen lassen. Einer seiner Vorgängerstile ist das Vajramushti, das vermutlich im 10.Jh. v. Chr. von Brahmanen gegründet wurde. Der Eckstein in der Theorie des Kempo sind allerdings die Anschaungen der daoistischen Denker. Ihr Credo war die Herstellung eines Gleichgewichts (Dies war Unmöglich) zwischen Yin und Yang, manifestiert durch das Ki, wobei die Atmung Träger des Ki ist. Aus dieser Vorstellung heraus existierten spezielle Atemübungen, das Qigong. Aus diesem entwickelte sich das Tai chi chuan. Das Qigong galt in China genauso, wie in Indien das Yoga, als Voraussetzung für das erlernen der Kampfkünste.

China

Obwohl schon in Indien Empfindliche Körperstellen bekannt waren, kommt das meiste Wissen hierüber wahrscheinlich aus China, wo schon im 4. Jh. v. Chr. Bücher darüber existierten. Auch in China gibt es schon seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. ein Kemposystem, welches sich Juedi-Kampf nennt. Die ersten Zweikampfturniere werden aus China im 12.-13. Jh. v. Chr. gemeldet. Das von der Armee benutzte Kempo weist deutliche Parallelen zum gr. Pankration auf. In Berichten von den olypischen Spielen wird von Schlägen mit der Handkante, Blöcken und verhebelten Würfen gesprochen, welche denen im Osten nicht unähnlich sind. Es wird vermutet das Alexander der Große Kontakt zum asiatischen Kempo hatte. Mitte des ersten Jahrtausends kommt es in China zur Trennung der esoterischen Kampfkünste in den sogenannten Inneren und den Äußeren Stil. Der Innere Stil hat seine Wurzeln stärker im Daoismus und ist am weitesten verbreitet, aber am schwersten zugänglich. Ihm zugrunde liegt das Prinzip des Nicht-tuns und die Ausnutzung der Fehler des Gegners, sowie die Steuerung des Ki. Dieser Stil ist im Wudang-Gebirge beheimatet. Er wird unterteilt in die drei Hauptsysteme Xing-yi-quan (Tierbewegungen), Ba-gua-quan (bezieht sich auf die acht Trigramme des Yi-jing) und das Tai-ji-quan (weiche harmonische Bewegungen). Der Äußere Stil hat seine Wurzeln im Zen (Chan)-Buddhismus und legt wert auf Kräftigung des Körpers und der Vereinigung von Sanftheit und Härte. Er beinhaltet eine gewisse Agressivität. Der Begründer des Zen-Buddhismuses, und so auch der äußeren Stile war der 28. buddhistische Patriarch Bodhidharma, der im 6.Jh. aus Indien nach China kam und sich im Kloster Shaolin niederließ. Er brachte das Wissen der indischen Kempo-Stile nach China und begründete das Shaolin-Quan-fa als Basis des Äußeren Stils. Dieser Stil trennt sich noch einmal in die nördliche und die südliche Schule, wobei die nördliche Schule mehr Wert auf Fußtechniken und schnelle Bewegung legte, während die südliche Schule ihren Schwerpunkt auf die Fausttechniken und Stände legte. Inwieweit diese Einteilung von Huang Li-Chu (1645) heute noch Sinn macht ist umstritten, da es seit der Einführung dieser Systematik und insbesondere nach der Kulturrevolution in China eine starke Vermengung der einzelnen Stile gab.

Japan

Betrachten wir nun die Situation in Japan. Auch hier gab es schon lange eine Kampfkunst: das Sumo. Der erste überlieferte Wettkampf ist auf das Jahr 23 v. Chr. datiert. Seit ungefähr 750 n. Chr. existiert das Yoroikumiuchi, der Zweikampf in Rüstungen. Das Kumiuchi wurde als Ergänzung zum Kumitachi, den Schwertübungen geübt. Im 12. Jh. kommt es zur Trennung zwischen sportlichem und kriegerischem Sumo, welches zusammen mit dem Yoroikumiuchi unter starken kontinentalen Einflüssen die Wurzeln der verschiedenen Ju-Jitsu-Stile bildet. Mitte des 14.Jh. entsteht aus dem Kumitachi das Kenjutsu. Im 18.Jh. existieren über 9000 verschiedene Ryu (Schulen, Stile) des Bujutsu in Japan. Zum Bujutsu zählen:

Mit Waffen: - Kenjutsu, das Schwertfechten - Iaijutsu, die Kunst, das Schwert zu ziehen - Sojutsu, die Beherrschung des Speers - Naginatajutsu, das Fechten mit der Hellebarde - Kyujutsu, die Kunst des Bogenschießens - Bajutsu, das Kunstreiten - Sasumatajutsu, die Beherrschung des Jagdspießes - Chigirikijutsu, die Beherrschung des Morgensterns - Tetsubojutsu, die Beherrschung des eisernen Streitkolben - Bojutsu, die Beherrschung der Stange - Jojutsu, die Beherrschung des Knüppels - Sodegaramijutsu, die Beherschung des Hakenstockes usw.

Ohne Waffen: - Ju-Jitsu, die Selbstverteidigung ohne Waffe - Kumiuchi, der Ringkampf ohne Waffe mit Rüstungen - Sumo, der klassische Ringkampf - Hojojutsu, die Kunst den Gegner zu fesseln - Suieijutsu, das Schwimmen (mit Kampf) usw.

Sonstiges: - Chikujojutsu, die Kunst des Festungsbaus - Hojutsu, das Kanonierwesen - Senjojutsu, die Kunst des Manövrierens mit Truppenteilen auf dem Schlachtfeld Kein einziges diese vielen Gebiete des Bujutsu wäre ohne das Kenjutsu denkbar gewesen. Anstatt Ju-Jitsu wurden in Japan auch die Begriffe Yawara, Wajutsu, Taijutsu, Torite, Koshi-No-Mawari, Hakuda, Shubaku, Kumiuchi und Kempo benutzt. Im Zuge der Meiji-Restauration (Ende 19. Jh.) verloren die Samurai ihre Privilegien, darunter auch das Recht auf Tragen eines Schwertes. Es fand ein Niedergang der Kriegskünste statt, da diese nicht mehr lebensnotwendig waren. Das war die Geburtsstunde der "Do"-Disziplinen, in denen es mehr um die idiellen Werte, wie Erziehung und Persönlichkeitsbildung geht, als um die kämpferischen Werte. Dieser Trend zeichnete sich schon, u.a. durch das Aufkommen des Begriffes Bushido in der langen Friedensperiode seit Anfang des 17. Jh. ab.

Literaturverzeichnis

Dolin, Alexander: Kempo - Die Kunst des Kampfes.
Czerwenka-Wenkstetten , Heribert: Kanon des Nippon Ju-Jitsu, Insbruck, Wien 1993
Lind, Werner: Ostasiatische Kampfkünste - Das Lexikon, Berlin 1996

Michael Hoffmann

 
 
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